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Diesen Tag eine gute Tat

Bild stammt von un.org
Mein Tag begann heute absolut verdöst. Wohl kein wunder, wenn man von 1.30 bis 7.35 Uhr schläft. Ein Kaffee Marke "soooo-große-Pupillen" (Hälfte Kaffee, Hälfte Milch und 5 Löffel Zucker) brachte mich dann aber zumindest erstmal auf die Beine.
Halb schlummernd im Chemnitzer Bahnhof angekommen, wollte ich mich auf einen Sitzplatz werfen, ignorant wie ich bin, den daneben mit meinem Rucksack blockieren und die 2 vor mir (ja, das war ein 4-Sitzer) durch meine lang ausgestreckten Beine verbarrikadieren.
Ich ahnte, nicht, dass mich - kurz nachdem ich mich langgemacht hatte - mich jemand ansprach. Erster Check des Gegenübers: etwa 1,80 groß, tiefschwarze, zurückgegeelte Haare, südländischer Typ. Eigentlich mache ich einen Bogen um solche Leute (zu schmierig), aber dieser Mann überraschte mich doch ordentlich. In nicht ganz sauberem, aber verständlichem Deutsch fragte er mich nach dem Weg zum Mittweidaer Landratsamt. Als Student Mittweidas weiß man natürlich sofort wo das liegt... außer, man fragt mich.
Trotz dass ich ihm erstmal nicht erklären konnte, wo er hin muss, musste ich sein leicht überschwängliches Kommunikationsbedürfnis stillen. Die, die mich kennen, wissen ja, dass ich nicht wirklich nein sagen kann :). Das folgende Gespräch war aber ganz interessant. Er ist gebürtiger Kosovo-Albaner und vor 14 Jahren nach Deutschland geflüchtet. 10 Jahre lebte er in Bremen, zog dann nach Dresden, wo er seit 4 Jahren lebt. 3 Brüder hat er im Kosovo verloren, er hat Angst zurückzukehren, obwohl es ihn nach seiner Heimat sehnt. Schön und gut, ergreifende Geschichte - aber was hat das mit dem Landratsamt in Mittweida zu tun?
Nun, behördliche Mühlen malen langsam. Das hat sicher jeder schon bemerkt. Dass sie aber anscheinend mit ihrem Wasser teils nicht wissen, wohin sie es befördern sollen, das ist mir neu. Und so erfahre ich von allerlei Schikanen durch das deutsche Behördensystem. Er wird von Behörde zu Behörde geschickt, erst in Bremen, dann in Dresden, dann nach Frankfurt (ist ja von Bremen nur lächerliche 440 km entfernt!), Hannover und nun schlussendlich nach Mittweida. Den genauen Fall, warum er zum Landrats- und Jugendamt muss, entzieht sich mir. Seinetwegen dürfte es nicht sein - er ist 25. Warum es für einen Dresdner Bürger allerdings notwendig sein muss, das Landratsamt in Mittweida aufzusuchen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Als gebürtiger Deutscher habe ich mit derartiger Willkür noch keine Bekanntschaft gemacht. Ob es nun Ausländerfeindlichkeit ist, sei dahingestellt, doch er erklärt mir recht glaubhaft, dass alle seine Freunde und Familie derartige Probleme haben. Sie leben schon lange hier, viele Mitglieder seiner Familie besitzen gut laufende Kleinbetriebe, trotzdem bekommen Sie ständig Behördengänge auferlegt, besonders, was die Rückkehr ins Kosovo betrifft.
Helfen kann ich ihm nicht, höre ihm jedoch weiter interessiert zu und führe und schlussendlich zum Kartenschalter in Mittweida, an dem wir erfahren, mit welchem Bus er zum Landratsamt kommt. Ich verabschiede mich mit Handschlag von ihm, er dankt mir und ich haste zu meinem Praktikum, denn durch meien Hilfsbereitschaft liege ich 10 Minuten hinter der Zeit - und die ist knapp. Trotzdem komme ich pünktlich an und plane bereits, die Begegnung in meinem Blog zu verewigen.
Auf der Rückfahrt 2 Stunden später dann das lustige: ich treffe ihn erneut. Ich stehe bereits am Bahnsteig und schaue zu dem gerade angekommenen Bus und er steigt aus. Er bemerkt mich, ich winke ihm zu, er winkt zurück und auf der Rückfahrt unterhalten wir uns noch kurz. Die Informationen dürften aber schon in obigem Text verschwunden sein, Dank meines nicht ganz chronologischen Gedächtnisses - man möge mir verzeihen :). In der Straßenbahn fragt er mich dann schließlich noch, wo man hier gut einkaufen könne und ich rate ihm zum Kaufhof. Seinem Naserümpfen und dem doch sehr guten Kleidungsstand meines Gegenübers rate ich ihm dann zu dem kleinen Lacoste in der Galerie am Roten Turm, was ihm ein Lächeln abverlangt. Ein letztes mal verabschiedet man sich an der Haltestelle. Dann geht er, die Blicke an ein paar vorbeilaufenden Mädchen klebend, in Richtung Galerie davon.
Ich glaube, viele hätte der Auskunftswille dieses Menschen den letzten Nerv geraubt, aber bei mir war er an der richtigen Adresse. Ich habe einiges über das komplizierte Leben von Flüchtlingen erfahren. Mal sehen, vielleicht sieht man sich ja durch Zufall wieder... z.B. im Zug von Chemnitz nach Mittweida.

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